Mindset: Wertschöpfende Projektarbeit

Der nachfolgende Beitrag wurde für eine Mindset-Kampagne in einem Automotive-Unternehmen (Systemlieferant) entworfen und zum Auftakt in der Unternehmenszeitung 2017 veröffentlicht. Die Mindset-Kampagne hatte den Fokus auf dem Thema Projektarbeit. Neben Informationen wie diesen wurden Plakate, Dialogmöglichkeiten, interaktive Trainings und Einzel- und Gruppen-Coachings entworfen und umgesetzt.

Neben dem Projektmanagement betont die Kampagne den Einsatz von Best Practices und Methoden des Requirements Engineering (Kundenzufriedenheit, Notwendigkeit und Nutzen, Business Case) und des Innovationsmanagements (aus Ideen echte Innovationen herausarbeiten).

Ideen und Impulse aus dem Lean Administration-Ansatz („Nicht immer mehr arbeiten, sondern mehr Wert in derselben Zeit schaffen.“) verstärkten den Rahmen der Initiative.


Taylor!
Frederick Winslow Taylor (1856–1915) hatte eine schlaue Idee: Wenn Manufakturarbeit mehr und mehr durch industrielle Massenproduktion ersetzt werden soll, dann helfen Standards. Arbeit wird in standardisierte Abläufe gebracht und über eine geschickte Prozesssteuerung und zwei wesentliche Rollen lassen sich mehr Güter in derselben Zeit produzieren. Die Performance steigt.

Das war ca. 1900 eine Erfolgsgeschichte: Manager denken und Arbeiter machen. Das Denken war vor allem nötig, um die Produktion gut vorzubereiten. Der Rest war klar und einfach geregelt:

„Sie können einen Ford in jeder Farbe haben – Hauptsache er ist schwarz.“
(Henry Ford, 1863-1947)

Auch die Stechuhr war eine gute Sache. Unternehmer, Manager und Arbeiter vereinbarten, dass für eine festgelegte Arbeitszeit die Arbeitskraft dem Unternehmen gehört. War die Zeit um, dann „fiel der Hammer“ und auch das Büro war leer. Die Denker wurden mehr, die Macher wurden mehr. Alle verdienten mehr. Dann kam König Kunde und hatte individuelle Wünsche.  

Ab etwa den 1970er Jahren kam das bewährte System immer mehr durcheinander.

Die Macher mussten mehr und mehr mitdenken, damit König Kunde am Ende zufrieden war. Wollte König Kunde nun den grünen Spiegel mit der ovalen Form oder war es der windschnittige Spiegel mit den roten Punkten? Es kam die Vielfalt. Die Denker verstanden immer weniger von dem, was die Macher da mitdachten. Die Denker hatten jetzt mehr Arbeit. Und eigentlich wollten sie ja denken und die anderen sollten machen. Heerscharen von Beratern wurden bemüht und brüteten über immer mehr Prozesse und Regeln. Das muss doch gehen: Fließband und Vielfalt.

Das Ergebnis waren hochkomplexe Planungs-, Entscheidungs- und Steuerungsprozesse. Und „Tools“, die helfen sollten, zu verstehen, was da an Arbeit so ausgedacht, gesammelt, geplant, priorisiert, entschieden, delegiert, bewertet, geändert, gemessen, gesteuert, beerdigt oder gefeiert werden musste. Ging auch nicht wirklich gut.

Es wurde geplant und entschieden: die Denker und die Macher müssen mehr an den weichen Faktoren wie
„Kommunikation“ arbeiten, moderne Formen des Managements müssen her. Dialog ist gut, reden hilft. Brainstorming ist toll. Da können Denker und Macher miteinander auf Augenhöhe kommunizieren! Und es dauert auch gar nicht lange, denn Zeit haben wir ja nicht. Wir müssen ja noch planen, priorisieren, entscheiden, machen, Änderungen feststellen, wieder planen, priorisieren, entscheiden, machen. Wir haben jetzt Tasklisten, um den Überblick zu behalten, was wir so tun wollten.

Also Brainstorming her, los geht’s! Eine Stunde wird reichen. Denker formulieren geschwind das Problem, Macher arbeiten im Akkord Ideen heraus. Diese Ideen werden dann noch schnell hin und her sortiert und fertig sind die neuen Maßnahmen. Bitte in die Tasklisten mit aufnehmen. Und liefern nicht vergessen! Hätten sie mal auf den alten Ford gehört:

„Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“
(Henry Ford)

Heißt das jetzt, die Denker sollten am besten gar nicht mehr mit den Machern reden? Oder heißt das, dass die rohen Ideen vielleicht nicht wirklich gut erarbeitet sind? Sind Methoden wie Brainstorming eher „Taskschleudern“, die bereits viel Beschäftigte noch zusätzlich mit nicht wertschöpfender Arbeit belasten? Ford als Pferdezüchter, Zuchtpferde am Fließband?


Mindset-Kampagne, Themenkarte: Der Mensch in der Projektarbeit


Ciao Taylor!
Vielleicht stehen wir ja vor genau so einem Umbruch wie um 1900? Kann es sein, dass aus industrieller Massenfertigung mehr und mehr individuell auf Kunden zugeschnittene Lösungen werden? Und zwingen globale Entwicklungen wie „Digitalisierung“, zunehmende Komplexität und Vielfalt bis hin zu „Losgrösse 1“ dazu, den Umgang mit Arbeit neu zu denken?

Wie beherrscht man denn Komplexität? Das Komplexe lässt sich schlecht strukturieren und Überraschungen in der #Projektarbeit sind sicher. Vielleicht mit Fitness? Vermutlich mit aus rohen Ideen herausgearbeiteten echten Innovationen? Eventuell mit mehr Vorbereitung und Führung von Arbeit?

„Das Ergebnis von Planung ist ein Plan. Das Ergebnis von Vorbereitung ist Fitness.“
(unbekannter Bergsteiger)

Bereits einmal bedacht, dass ein ausgearbeiteter Plan komplett aus Annahmen besteht? Lottospieler wissen, wie nahe Annahme und Irrtum beieinander liegen. Ein Plan ist gut in Standardsituationen. Hat in sieben von 10 Fällen so geklappt. Wird schon. Plan gemacht. Los geht’s. Und dann wird es doch unübersichtlich. Da ist der Faktor „Mensch“ im Spiel.

Der Mensch ist keine Maschine. Sein „Wirkungsgrad“ ist abhängig von so etwas wie Wollen, Können, Dürfen. Ohne optimaler Ressourcenauslastung und ohne bedarfsgerechter Kompetenzentwicklung verkümmern Talente. Nun ja, wie geht das eigentlich alles zusammen, so dass am Ende auch Geld verdient wird? „Ein Unternehmen ist kein Ponyhof“, werden sich einige denken. Das Zauberwort ist „Wertschöpfung“. Nicht immer mehr arbeiten, sondern mehr Wert in derselben Zeit schaffen. Wie wäre das?

Wertschöpfung transformiert Dinge in Dinge mit höherem Wert. Dieser höhere Wert ist entscheidend, wenn es bspw. um den Arbeitsplatz oder bessere Vergütung von Arbeit geht, wenn es um besser ausgestattete Werkbänke, Prüfvorrichtungen oder Schreibtische geht, oder wenn es schlicht darum geht, endlich die Arbeitslast zu senken.

Über Wertschöpfende #Projektarbeit können wir reden. Unser Angebot ist, in Trainings- oder Coachingform, Mittel und Wege für zeitgemäße Formen der Zusammenarbeit und Wertschöpfung zu erarbeiten. Wir haben einige Zeit Ideen gesammelt, experimentiert und vor allem trainiert. Jetzt wollen wir euch anbieten, das gesammelte Wissen und Können weiterzugeben. Das wird anstrengend, schlichte Lösungen gibt es nicht. Bereits ein Zeitgenosse von Ford und Taylor hat es bemerkt:

„Innovation ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration.“
(Thomas A. Edison, 1847-1931)

Wir verlesen keine Regeln und wir versprechen keine Wunder, wir wollen gemeinsam mit euch wirksame Methoden für die Gestaltung der Zusammenarbeit, für mehr Fitness in komplexen Aufgaben und für die Erarbeitung echter Innovationen als Projektgrundlage entwickeln. Spielerisch. Ohne Powerpoint. Gemeinsam, mit eurem regen Geist und mit eurer Neugier.

Wir richten das Angebot an Auftraggeber, Projektleiter, ganze Projektteams oder im Projekt Mitarbeitende sowie Ressourcenverantwortliche.


Das im Text erwähnte Trainingsangebot umfasste ausschließlich interaktive Trainings (Trainings ohne Computer und Powerpoint, stattdessen gemeinsame Erarbeitung) zu folgenden Themen:

  • Projektarbeit – Grundlagen (Projekte vorbereiten, Projekte führen, Kommunikation)
  • Projektarbeit – Top-Methoden
    • Von der Idee zur Innovation
    • Business Case
    • Projektauftrag
    • WBS – Projektstrukturplan
    • Projektorganisation und interkulturelle Zusammenarbeit
    • Vernetzte Terminplanung
    • Reporting (Earned Value Fokus)
    • Requirements Engineering
  • Coaching: Team & Work (Impulse für Projektteams, gemeinsame Erarbeitung von Wegen für eine lebendige Projektarbeit)

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